Fischhaut als Rohstoff für biobasierte Lebensmittelverpackungen
von Ansgar Wessendorf,
Der Fisch Tambatinga: Seine Haut könnte künftig als Rohstoff für biobasierte Verpackungsfolien dienen (Quelle: Wikimedia Commons)
Aus der Haut des in Brasilien verbreiteten Speisefischs Tambatinga lässt sich ein transparentes, flexibles Verpackungsmaterial herstellen. Das berichten Forschende der Universidade de São Paulo in einer Studie, die im Fachjournal Foods erschienen ist. Über die Ergebnisse informierte auch das Wissenschaftsportal spektrum.de in einem Beitrag vom 10. Februar 2026 (Autor: Thomas Siebel).
Nebenprodukt aus der Aquakultur
Der Tambatinga ist ein Hybrid aus dem weiblichen Tambaqui (Colossoma macropomum) und dem männlichen Pirapitinga (Piaractus brachypomus). In Brasilien ist er ein bedeutender Aquakulturfisch: Er wächst schnell, gilt als widerstandsfähig und lässt sich wirtschaftlich züchten. Bei der Verarbeitung fällt Fischhaut als Nebenprodukt an.
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Das brasilianische Forschungsteam untersuchte, ob sich diese Reststoffe stofflich verwerten lassen. Ziel war die Entwicklung eines biobasierten Verpackungsmaterials auf Gelatinebasis.
Herstellung der Biofolien
Für die Herstellung reinigten die Forschenden zunächst die Fischhäute und extrahierten daraus Gelatine. Diese wurde mit einer filmbildenden Lösung kombiniert und zu dünnen Folien verarbeitet.
Den Angaben der Autorinnen und Autoren zufolge weisen die Biofilme folgende Eigenschaften auf:
Transparenz und Flexibilität
Glatte Oberflächen
Hohe mechanische Stabilität
Effektivere UV-Blockierung im Vergleich zu anderen gelatinebasierten Materialien
Geringere Wasserdampfdurchlässigkeit
Einschränkungen und Anwendungspotenzial
Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass die Folien empfindlich gegenüber Feuchtigkeit sind. Derzeit kommen sie daher vor allem für trockene Lebensmittel wie Nüsse oder vergleichbare Produkte mit geringer Wasseraktivität infrage. Für feuchtehaltige Anwendungen wären zusätzliche Materialanpassungen erforderlich.
Für die Verpackungsindustrie ist der Ansatz vor allem unter Nachhaltigkeitsaspekten relevant. Die Nutzung von Nebenprodukten aus der Lebensmittelverarbeitung entspricht dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft und könnte zur Entwicklung biobasierter Verpackungslösungen beitrage
Quellen
Forschungsteam der Universidade de São Paulo: Studie veröffentlicht in Foods, 2020.
Thomas Siebel: „Haltbare Lebensmittel: Fischhaut wird zur Verpackung“, spektrum.de, 10. Februar 2020.