Der Markt für Beutel, Säcke und Tüten wird in Europa im Jahr 2024 voraussichtlich ein Volumen von etwa 8,77 Millionen Tonnen erreichen

Marktstudie flexible Verpackungen – Beutel, Säcke und Tüten

Beim Symbol-Umweltthema Einweg-Tragetaschen aus Kunststoff zeigen sich die ersten Auswirkungen der EU-Richtlinie 2015/720: Die meisten Staaten der Europäischen Union haben mittlerweile Vorschriften, oft in Absprache mit den jeweiligen Handelsverbänden, um den Verbrauch von Kunststoff-Tüten zu verringern. Ausgenommen von diesen Regelungen bleiben häufig Tragetaschen aus Papier, deren Hersteller nun die Gewinner der EU-Gesetzgebung werden könnten. Allerdings machen Tragetaschen nur einen Teil des gesamten europäischen Markts für Beutel, Säcke und Tüten aus, den Ceresana bereits zum zweiten Mal untersucht hat. Die aktuelle Studie beleuchtet ebenso zum Beispiel die Entwicklung von Schwerlast- und Industriesäcken und von Beutelverpackungen für Nahrungsmittel. Die Analysten von Ceresana erwarten, dass in Europa der Markt für Beutel, Säcke und Tüten im Jahr 2024 ein Volumen von etwa 8,77 Millionen Tonnen erreichen wird.

Die Studie behandelt den europäischen Markt für Beutel, Säcke und Tüten aus Polyethylen-Folie, aus Folien sonstiger Kunststoffe, aus gewebten Kunststoff-Streifen (woven bags) sowie aus Papier. Polyethylen ist dabei das mit Abstand am meisten verwendete Material. Die verschiedenen Ausgangsstoffe können jedoch in einzelnen Anwendungsgebieten sehr unterschiedliche Marktanteile erreichen. Die Studie unterteilt den Markt in die Segmente Tragetaschen, Müllbeutel und -säcke, Schwerlast- und Industriesäcke, Nahrungsmittelverpackungen sowie die Kategorie „Sonstige Anwendungen“. Verpackungen aus Baumwolle, Jute oder anderen Materialien werden hier nicht berücksichtigt.

Die Umsetzung der EU-Richtlinie zur Reduzierung des Verbrauches von Einweg-Tragetaschen aus Kunststoff ist nicht in allen Ländern gleichermaßen konsequent angegangen worden. Aktuell hat sich die EU-Kommission noch einmal an vier Länder gewandt, an Griechenland, Italien, Polen sowie Zypern, um eine zielstrebigere Umsetzung der Richtlinie anzumahnen. Die Ausgangslage und Dringlichkeit sind von Land zu Land sehr unterschiedlich: Auf die einzelnen nationalen Gegebenheiten und Initiativen wird daher in den jeweiligen Länderprofilen eingegangen.

Immer mehr Länder verbieten bestimmte Arten von Tragetaschen oder versuchen, mithilfe von Sondersteuern und Abgaben die Nachfrage nach einigen Produkten zu regulieren. In der Regel sind dünne Einwegtragetaschen aus Polyethylen das Ziel dieser Initiativen. Ausgenommen von derartigen Verboten und Gebühren sind meist Tragetaschen aus Biokunststoffen. Dabei handelt es sich um Kunststoffe, die entweder aus nachwachsenden Rohstoffen (z.B. Maisstärke) hergestellt werden oder zumindest biologisch abbaubar sind. Die Bedeutung und öffentliche Wahrnehmung von Taschen aus Biokunststoffen ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Dies zeigt sich auch daran, dass diese Produkte inzwischen von den nationalen Gesetzgebern berücksichtigt werden. Im Frühjahr 2017 hat sich die EU-Kommission noch einmal explizit positiv zum Einsatz von Biokunststoffen im Bereich von Verpackungen oder auch Tragetaschen geäußert. Selbst wenn sich der Markt in den vergangenen Jahren sehr dynamisch entwickelt hat, sind Biokunststoffe allein jedoch nicht die ultimative und ökologisch einwandfreie Lösung, die lange propagiert wurde. Beispielsweise verläuft die Kompostierung von Biokunststoffen in den gängigen Anlagen noch immer nicht reibungslos.

Schwerlast- und Industriesäcke haben in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. Mit der Zeit wurden Säcke aus Papier in einigen Segmenten durch Kunststoffsäcke ersetzt. Bei Tierfutter oder Baumaterialien, wie z.B. Zement, spielen Papiersäcke zwar weiterhin eine wichtige Rolle; Säcke aus Polyethylen haben allerdings das Potential, aufgrund ihrer positiven Eigenschaften in Zukunft weiter Marktanteile zu gewinnen. Klassische Schwerlastsäcke aus Kunststofffolie sehen sich ihrerseits jedoch insbesondere im Bereich der Schüttgüter mehr und mehr mit der Konkurrenz sogenannter „Flexible Intermediate Bulk Containers“ (also flexiblen Schüttgut-Behältnissen, Abkürzung: FIBC) konfrontiert. Diese FIBC bestehen aus einem stabilen Kunststoffgewebe – meist aus Polypropylen – und können ein Fassungsvermögen von bis zu 1500 Litern erreichen. Sie dienen oft als Transportverpackung für Baustoffe, Düngemittel, Getreide oder sonstige Streugüter. Die Dynamik des Marktes für Schwerlastsäcke hängt in hohem Maße von der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes sowie vom Zustand der Bauindustrie und der Nachfrage nach Baumaterialien ab. Diese beiden Faktoren werden daher in den jeweiligen Länderkapiteln besonders behandelt.

Beutelverpackungen erfreuen sich im Einzelhandel immer größerer Beliebtheit. Sie ersetzen insbesondere Metalldosen und Glasgefäße, in manchen Fällen auch starre Kunststoffverpackungen. Ein Vorteil der flexiblen Kunststoffbeutel ist, dass sie sich dem verpackten Gut besser anpassen und somit die Verpackungsgröße optimiert werden kann. Darüber hinaus können diese Verpackungen Mikrowellen-gängig hergestellt werden. Sie werden auch immer besser bedruckbar. Bei leichten Verpackungsbeuteln und –säcken sowie schweren Industriesäcken gewinnen darüber hinaus moderne Form-Fill-Seal-Prozesse immer weiter an Bedeutung: Mit Hilfe geeigneter Maschinen erfolgen die Formung der Verpackung, deren anschließende Befüllung sowie die Verschließung in einem kontinuierlichen Prozess.