Zukunftsfähige Food-Verpackungen im Fokus der Interpack 2026
Recyclingmaterialien im direkten Lebensmittelkontakt
von Ansgar Wessendorf,
Papier- und Faserlösungen sowie recycelte Kunststoffe tragen zur Nachhaltigkeit von Lebensmittelverpackungen bei
(Quelle: Interpack)
Die Anforderungen an Lebensmittelverpackungen steigen kontinuierlich: Sie müssen maximalen Produktschutz bei minimalem Materialeinsatz bieten, recyclingfähig sein, Hygiene- und regulatorische Vorgaben erfüllen und gleichzeitig wirtschaftlich bleiben. Gerade im Foodbereich entscheidet die richtige Verpackung über Haltbarkeit, Produktsicherheit und Transportfähigkeit – und trägt maßgeblich zur Reduzierung von Lebensmittelverlusten entlang der gesamten Wertschöpfungskette bei.
Die Interpack, die vom 7. bis 13. Mai in Düsseldorf stattfindet, ist als weltweit führende Fachmesse der Verpackungsindustrie der zentrale Treffpunkt für alle, die Lösungen für diese Herausforderungen entwickeln. Initiativen wie Save Food, die von der Interpack gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Institutionen angestoßen wurden, haben dazu beigetragen, das Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Verpackung, Lebensmittelverlusten und Umweltbelastung zu schärfen.
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Recyclingmaterialien im direkten Lebensmittelkontakt
Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) fordert eine deutliche Reduzierung von Verpackungsabfällen, verbindliche Recyclingquoten und den verstärkten Einsatz von Rezyklaten. Besonders der Einsatz von Recyclingmaterialien im direkten Lebensmittelkontakt ist anspruchsvoll. Kürzlich erhielt die erste Recyclinganlage in Europa eine RecyClass-Zertifizierung für die Sortierung lebensmitteltauglicher Kunststoffe. Swedish Plastic Recycling sortiert PET-Flaschen, PET-Trays und PS-Verpackungen aus Haushaltsabfällen vollständig rückverfolgbar bis zur Aufbereitung. Im Forschungsprojekt CRISP wird zudem an lebensmitteltauglicher Aufbereitung von PE und PP gearbeitet.
Die Schrumpffolien von Mopack enthalten einen Anteil chemisch recyceltes PCR. (Quelle: Mopack) (Bild: RALF KNOERINGER FOTOGRAFIE)
Hersteller bieten bereits zertifizierte Rezyklate an: WIS Kunststoffe liefert rPE- und rPP-Materialien mit FDA-Zulassung für den direkten Lebensmittelkontakt und erfüllt damit die Anforderungen der PPWR für 2030. Mopack setzt auf eco+35 Polyolefin-Feinschrumpffolien, die 35 Prozent chemisch recyceltes PCR enthalten, auf molekularer Ebene gereinigt und neu polymerisiert werden. Die Folien bieten hohe Homogenität, neutrale Optik, stabilen Maschinendurchsatz und seit März 2025 eine DEKRA-Zulassung für den direkten Lebensmittelkontakt.
Verpackungskonzepte neu gedacht
Nachhaltigkeit zeigt sich nicht nur im Material, sondern auch im Verpackungsdesign. GEA präsentiert eine Mehrkammerverpackung für Aufschnitt: Zwei separat versiegelte Frischekammern ermöglichen portionsweises Öffnen und reduzieren den Kunststoffverbrauch um mehr als 70 Prozent gegenüber klassischen Blistern. Die Folienstärke beträgt lediglich 50 µm, produziert auf einer vollautomatischen Linie mit GEA PowerPak-Thermoformer, MegaSlicer und ShingleLoader.
Maschinenbauer richten ihre Systeme zunehmend auf recyclingfähige Materialien aus: Ulma Packaging entwickelt Flowpack- und Traysealer-Lösungen für Monomaterialien sowie papier- und kartonbasierte Trays.
Papier- und Faserlösungen auf dem Vormarsch
Sappi Europe hat zwei recycelbare Hochbarrierepapiere für den direkten Lebensmittelkontakt entwickelt: Guard Pro OHS für Flow-Wraps, Sachets, Pillow Bags und Doypacks, Guard Pro OMH für Kaltsiegelanwendungen.
Papierverpackungen für Lebensmittel brauchen gute Barrierefunktionen (Quelle: Sappi)
Aluminiumlaminate werden zunehmend durch faserbasiertes Barrierepapier ersetzt. UPM Specialty Papers und Royal Vaassen testen Barryrwrap für Kaffee, Brühe oder Schokolade, basierend auf dem stabilen Trägermaterial UPM Solide Lucent. UPM erprobt die Barrierepapierlösungen auch in neuen Anwendungen, darunter faserbasierte Dosenformate für Chips, Tee oder Getränkepulver.
UPM testet faserbasierte Barrierepapiere für neue Anwendungen. (Quelle: UPM)
Heidelberg und Solenis entwickeln Barrierebeschichtungen für flexible Papierverpackungen, die gezielt registergenau nur an den notwendigen Stellen aufgetragen werden.
Nachhaltig verkleben
Auch Klebstoffe tragen zur Nachhaltigkeit bei: Jowat senkt mit energieeffizienten Schmelzklebstoffen den Energiebedarf für Kartonverschlüsse in der Lebensmittel- und Tiefkühlindustrie. Neue Jowatherm-Produkte eignen sich für temperaturempfindliche Lebensmittel wie Schokolade oder für Tiefkühlprodukte wie Pizza, Fertiggerichte oder Eis. Eine biobasierte Jowatherm-Alternative, gewonnen aus Nebenprodukten der Papierherstellung, konkurriert nicht mit der Nahrungsmittelproduktion.