Das 10. Colour Management Symposium der Fogra bot Fachwissen, Austausch und Einblicke in digitale Farbprozesse
(Quelle: Fogra)
Das Colour Management Symposium (CMS) der Fogra feierte sein zehnjähriges Jubiläum – mit ausgebuchtem Haus und internationaler Resonanz. Mehr als 200 Fachleute aus 23 Ländern und 126 Unternehmen kamen am 25. und 26. Februar in München zusammen. Die Mischung aus Fachsessions, einem KI-Battle und zahlreichen Networking-Gelegenheiten bestätigte erneut die Bedeutung des CMS als zentrale Plattform für Wissenstransfer und Branchendialog. Der Termin für 2028 steht bereits fest: 23. und 24. Februar.
In sieben Themenblöcken präsentierten Anwenderinnen und Anwender sowie Expertinnen und Experten aktuelle Entwicklungen aus der Praxis. Die Bandbreite reichte von Kundenerwartungen im digitalen Umfeld über Farbmanagement im Verpackungsdruck und High Dynamic Range (HDR) in der Druckproduktion bis hin zu Proofing auf realen Substraten, praxisnahen Farbmanagement-Ansätzen und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz in Produktionsprozessen.
Anzeige
Die starke Beteiligung aus Industrie, Markenunternehmen und Forschung unterstrich die internationale Relevanz des CMS. Besonders geschätzt wurden praxisnahe Vorträge und die Darstellung aktueller Trends: HDR, „Messen im Bild“ sowie KI-gestützte Medienproduktion.
Kundenerwartungen im digitalen Zeitalter
In der Auftaktsession ging es um die Frage, wie sich Kundenerwartungen im digitalen Umfeld erfolgreich managen lassen. Moderiert wurde die Session von Maren Daffner (Konica Minolta). Den Auftakt machte Dieter Jan Janout (Amagoo) mit einem Vortrag zu zentralisiertem Farbmanagement und industrieller Standardisierung: „Farben müssen richtig sein, nicht schön.“ Stephan Richter (Coppenrath & Wiese) erläuterte, wie sein Unternehmen ein digitales Prüfregime für ECG-Druck implementiert hat. Den Abschluss bildete Patrick Reyer (HARIBO Group), der die digitale Transformation seiner Farbprozesse von analog zu digital beleuchtete.
Farbmanagement im Verpackungsdruck
Im Anschluss diskutierten Expertinnen und Experten neue Ansätze zur Farbqualität und Standardisierung im Verpackungsdruck. Moderiert wurde die Session von Dave Hunter (ChromaChecker). Steffen Nusser (Edelmann) stellte „Messen im Bild“ und die ortsaufgelöste Druckbewertung für Verpackungen vor. Stefan Steinemann (Druckerei Bauer) zeigte den Weg von einem Fogra-Forschungsbericht zu einem FFI-Bestellstandard für ECG 7C. Dr. Andreas Kraushaar (Fogra) erläuterte die Entwicklung der Farbabstimmung von mechanischer Korrektur hin zur normgerechten Produktion nach ISO 12647-2:2026+.
High Dynamic Range trifft Druckpraxis
Der Themenblock HDR in der Praxis wurde von Dorin Pitigoi (Grup Transilvae) moderiert. Prof. Florian Süßl (Berliner Hochschule für Technik) stellte HDR-Anwendungen praxisnah vor, während Pitigoi über den erweiterten Dynamikumfang im Backlit-Druck berichtete. Veit Rudolph (Rudolph Druck) erklärte, wie FOGRA59 (eciCMYKv2) die Balance zwischen Farbraumausnutzung und Vorhersagbarkeit ermöglicht, und veranschaulichte dies anhand von Testdrucken, die direkt im Publikum verteilt wurden. Ein HDR-Testaufbau vor Ort bot den Teilnehmern die Möglichkeit, die Technologie unmittelbar zu erleben.
Echtes Substrat-Drucken: Proofing
Den Abschluss des ersten Tages bildete das Thema Proofing auf realen Substraten, moderiert von Jürgen Seitz (GMG Color). Wolfgang Marx (Interproof) berichtete aus der Praxis des Real Surface Proof und zeigte, was funktioniert – und was nicht. Dr. Moritz Feil (Fogra) diskutierte „D50noUV“ als mögliche Zukunft der Farbkommunikation in einer LED-dominierten Welt. In einer Podiumsdiskussion beleuchteten Andreas Kraushaar, Jürgen Seitz, Rabea Paysen (X-Rite) und Christian Gall (Just Normlicht) das Thema „Messen (M1, M2), wie man sieht (P1/P3)“. Ergänzt wurde die Session durch 16 Spotlight-Präsentationen der Aussteller sowie das Fogra-Live-Experiment von Dr. Julie Klein.
Farbmanagement Praxis
Der zweite Tag begann mit praxisorientierten Farbmanagement-Anwendungen, moderiert von Arjen Goldschmidt (Canon). Ralf Lenk (ScanColor Reprostudio) zeigte Farbmanagement jenseits der Norm anhand von ChromaLuxe-Anwendungen. Christophe Descubes und Thomas Demoulin (Philaposte – Groupe La Poste) erläuterten die Umstellung von Heliogravur auf Offsetdruck am Beispiel japanischer Briefmarken. Den Abschluss bildete Steffen Walter (THIMM) mit Möglichkeiten zur Tinteneinsparung im digitalen Verpackungsdruck.
KI – Chancen und Risiken in der Praxis
Der vorletzte Themenblock widmete sich dem Einsatz Künstlicher Intelligenz in realen Produktionsprozessen. Moderiert wurde die Session von Markus Weber (Staudacher). Er demonstrierte, wie KI-gestützte Tools Farbkorrektur und Retusche effizient unterstützen können. Jürgen Hein (w&co MediaServices) beleuchtete die Balance zwischen technischer Machbarkeit und den realen Anforderungen der Produktionspraxis.
Ein besonderes Highlight war der Live KI-Battle: Boris Margan und José Fabiao (w&co MediaServices) traten gegeneinander an. Ein Teilnehmer nutzte KI-gestützte Retusche mit reduzierten Ausgangsdaten, der andere klassische Methoden. Nach rund einer Stunde präsentierten beide ein marktfähiges Ergebnis. Der direkte Vergleich machte sowohl die Chancen als auch die Grenzen KI-basierter Workflows sichtbar. In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurden Effizienzgewinne und typische Fehlerquellen praxisnah erörtert.
Nach zwei intensiven Tagen endete das Symposium mit großem Zuspruch aus der Branche. „Wie alle zwei Jahre war es aufschlussreich, lehrreich und einfach fantastisch“, sagte Thomas Hebes (Budrda Druck). Der Termin für das nächste Colour Management Symposium steht bereits: 23.–24. Februar 2028. Erste Teilnehmer und Aussteller haben ihre Teilnahme bereits zugesagt.
KI, Digitalisierung und Automatisierung in Print & Packaging sind die Topthemen beim EUROPEAN PRINTING SUMMIT (29. und 30. September 2026) im Signal Iduna Park in Dortmund. Tickets und weitere Informationen gibt es unter www.european-printing-summit.com.