Der Corona-Prozess ist eine hochenergetische elektrische Entladung, die in einem Abstand von 1,5 mm vom Substrat ausgelöst wird
(Quelle: Vetaphone)
Steigende Energiekosten und wachsender regulatorischer Druck prägen den Verpackungsdruck wie kaum zuvor. Vor diesem Hintergrund stellt sich eine zentrale Frage: Ist es an der Zeit, etablierte Verfahren der Oberflächenbehandlung kritisch zu hinterfragen? Kevin McKell, Chief Sales Officer beim dänischen Hersteller Vetaphone A/S, beleuchtet die aktuellen Entwicklungen und zeigt mögliche Handlungsoptionen auf.
Die Rahmenbedingungen für industrielle Produktion verändern sich rasant – mit direkten Auswirkungen auf Geschäftsmodelle und Prozesse. Einige dieser Veränderungen entziehen sich dem Einfluss der Unternehmen, andere hingegen bieten konkrete Ansatzpunkte für Optimierung. Genau hier setzt die Betrachtung an: Welche Stellschrauben lassen sich drehen, um Kosten zu senken und gleichzeitig nachhaltiger zu wirtschaften?
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Kevin McKell ist Chief Sales Officer (CSO) bei Vetaphone A/S (Quelle: Vetaphone)
In der Verpackungsdruckindustrie ist das Bewusstsein für nachhaltigere Prozesse längst angekommen. Gleichzeitig bleibt der wirtschaftliche Druck hoch: Die Nachfrage wächst, während sowohl Markeninhaber als auch Verbraucher zunehmend kritisch auf Kostenstrukturen blicken. In diesem Spannungsfeld rückt ein Bereich in den Fokus, der bislang oft unterschätzt wurde – die Oberflächenbehandlung. Die zentrale These: Wer bestehende Verfahren überprüft und gezielt optimiert, kann nicht nur Energiekosten signifikant senken, sondern auch den CO₂-Fußabdruck reduzieren. Für Unternehmen, deren Prozesse eine Oberflächenbehandlung erfordern, lohnt sich ein genauer Blick.
Die Bedeutung der Oberflächenbehandlung in der Verpackungsindustrie
Die Notwendigkeit der Oberflächenbehandlung ergibt sich aus einem physikalischen Grundprinzip: Flüssigkeiten wie Druckfarben oder Lacke haften nur dann zuverlässig auf einem Substrat, wenn deren Oberflächenenergie ausreichend hoch ist. Bei nicht saugfähigen Materialien – insbesondere Kunststoffen – ist dies ohne Vorbehandlung nicht gegeben.
Diese Erkenntnis reicht zurück bis in die 1950er Jahre, als Kunststoffsubstrate im Verpackungsdruck Einzug hielten. Erste Anwendungen, etwa bei Tragetaschen, zeigten schnell Haftungsprobleme – selbst bei vermeintlich identischen Materialien. Die Ursache lag in zu niedrigen oder inkonsistenten Oberflächenenergien. Die Lösung: eine gezielte Erhöhung der Oberflächenenergie, um eine stabile Benetzung zu ermöglichen. Gemessen wird dieser Wert in Dyn, wobei er sich durch Lagerung und Transport im Zeitverlauf verändern kann.
Heute ist die Oberflächenbehandlung ein unverzichtbarer Bestandteil der Verpackungsproduktion. Sie ermöglicht erst die Weiterverarbeitung moderner Substrate zu funktionalen Verpackungslösungen – insbesondere im Lebensmittelbereich, wo Haltbarkeit und Produktschutz entscheidend sind. Gleichzeitig steht die Branche vor einem dynamischen Wandel: Neue Materialien, insbesondere innovative Folien, sowie verschärfte gesetzliche Anforderungen erhöhen den Anpassungsdruck. Entsprechend bleibt die Weiterentwicklung der Oberflächenbehandlungstechnologien ein zentrales Thema für Hersteller und Verarbeiter.
Technologische Entwicklungen: Flamme, Corona und Plasma im Vergleich
Die technologische Landschaft der Oberflächenbehandlung ist geprägt von drei etablierten Verfahren: Flamme, Corona und Plasma – jeweils mit spezifischen Stärken und Einschränkungen.
Die Flammenbehandlung gilt als klassisches Verfahren für große Flächen und hohe Produktionsgeschwindigkeiten. Dabei wird eine mehrere tausend Grad heiße Flamme (zwischen 1000 und 3000 Grad Celsius) in unmittelbarer Nähe des Substrats geführt, um Verunreinigungen zu entfernen und die Oberfläche zu aktivieren. Allerdings bringt diese Methode Nachteile mit sich: hoher Energieverbrauch, Sicherheitsrisiken und potenzielle Schäden an empfindlichen Materialien.
Elektrische Verfahren bieten hier Alternativen. Die Corona-Behandlung hat sich als vielseitige und vergleichsweise kosteneffiziente Lösung etabliert. Sie lässt sich problemlos in bestehende Produktionslinien integrieren und eignet sich für eine Vielzahl von Anwendungen – von Hochgeschwindigkeitsdruckmaschinen bis hin zu Kaschier- und Extrusionsprozessen.
Das einzigartige Testlabor des Unternehmens in Dänemark bietet Herstellern, Verarbeitern und Markeninhabern die Möglichkeit, neue Produkte vor der Markteinführung zu testen (Quelle: Vetaphone)
Die Plasmabehandlung stellt eine technologisch anspruchsvollere Variante dar. Anders als die Corona-Behandlung erfolgt sie in einer kontrollierten Umgebung mit definierten Gaszusammensetzungen. Diese Komplexität führt zu höheren Kosten, ermöglicht jedoch eine besonders präzise Oberflächenmodifikation – ein entscheidender Vorteil bei sensiblen oder spezialisierten Anwendungen.
Aktuell zeichnet sich ein klarer Trend ab: Immer mehr Verarbeiter ersetzen die Flammenbehandlung durch Corona-Technologie – auch in Bereichen, in denen traditionell die Flamme dominierte, etwa bei Papier- und Kartonsubstraten. Gründe dafür sind nicht nur die massiv gestiegenen Gaspreise, sondern auch die verbesserte Qualität moderner Materialien. Fortschritte in der Produktion haben Verunreinigungen deutlich reduziert, wodurch die Anforderungen an die Intensität der Vorbehandlung sinken.
Der Showroom bietet Vorführungen der umfassenden Vetaphone-Technologie sowohl vor Ort als auch online an (Quelle: Vetaphone)
Parallel dazu hat sich auch die Corona-Technologie selbst weiterentwickelt. Was einst als Lösung für empfindliche Materialien galt, überzeugt heute durch Effizienz, Flexibilität und Energieeinsparpotenzial – ohne Abstriche bei der Haftungsleistung.
Kosten, CO₂-Emissionen und der Wandel hin zu nachhaltigeren Verfahren
Die Wahl des richtigen Verfahrens ist längst nicht mehr nur eine technische Entscheidung – sie ist auch eine ökonomische und ökologische.
Denn obwohl Flammen- und Corona-Behandlung vergleichbare Ergebnisse liefern können, unterscheiden sie sich erheblich in ihren Auswirkungen. Die Flammenbehandlung verursacht nicht nur höhere Betriebskosten, sondern auch deutlich mehr CO₂-Emissionen – ein Faktor, der angesichts globaler Klimaziele zunehmend ins Gewicht fällt.
Kohlendioxid ist der Haupttreiber des Treibhauseffekts und entsteht vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger. Industrie, Transport und Energieerzeugung zählen zu den größten Emittenten. Vor diesem Hintergrund wird die Reduktion von Emissionen zur zentralen Herausforderung – und gleichzeitig zur wirtschaftlichen Chance.
Instrumente wie der Emissionshandel setzen genau hier an. Sie geben CO₂ einen Preis und schaffen Anreize, Emissionen zu reduzieren. Unternehmen, die effizienter arbeiten und weniger ausstoßen, können überschüssige Zertifikate veräußern – ein zusätzlicher wirtschaftlicher Vorteil.
Vetaphone sagt, dass seine Corona-Technologie des 21. Jahrhunderts die günstigere und umweltfreundlichere Alternative zur Flammen-Oberflächenbehandlung ist (Quelle: Vetaphone)
Für die Verpackungsindustrie bedeutet das konkret: Der Umstieg von energieintensiven Verfahren wie der Flammenbehandlung auf effizientere Technologien wie Corona kann doppelt profitieren. Einerseits sinken die Energiekosten unmittelbar, andererseits eröffnen sich neue Einnahmequellen durch den Handel mit Emissionsrechten.
Angesichts eines wachsenden Umweltbewusstseins bei Markeninhabern und Verbrauchern wird der CO₂-Fußabdruck zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Unternehmen, die frühzeitig auf nachhaltigere Verfahren setzen, sichern sich nicht nur Kostenvorteile, sondern stärken auch ihre Marktposition.
Die Corona-Behandlung hat sich dabei als ausgereifte, weltweit etablierte Standardtechnologie bewährt. Mit jahrzehntelanger Anwendungserfahrung und kontinuierlicher Weiterentwicklung bietet sie eine zuverlässige, wirtschaftliche und zukunftsfähige Lösung für die Anforderungen moderner Verpackungsproduktion.
Autor
Nick Coombes ist ein erfahrener Publizist der Druckindustrie, der 1977 in die Branche eingetreten ist. In den vergangenen fünf Jahrzehnten war er als unabhängiger Marketingspezialist für viele der führenden Maschinenhersteller tätig, zuletzt insbesondere im Verpackungsdrucksektor. Darüber hinaus ist er als redaktioneller Berater für zahlreiche führende internationale Fachmedien der Druckindustrie tätig.