Nachbetrachtung: Inno-Meeting 2026

Flexpack-Branche diskutiert Transformation auf dem Weg zu „Flexpack 2030“

Flexpack-Branche diskutiert Transformation auf dem Weg zu „Flexpack 2030“
Engagiertes Fachpublikum beim 23. Inno-Meeting in Osnabrück: Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Forschung und Markenunternehmen diskutierten aktuelle Herausforderungen und Innovationsansätze für die Flexpack-Branche auf dem Weg zu „Flexpack 2030“. (Quelle: Innoform)

Das 23. Inno-Meeting von Innoform hat erneut gezeigt, wie stark sich die Flexpack-Branche im Spannungsfeld aus Regulierung, Nachhaltigkeit und technologischer Innovation verändert. Unter dem Leitthema „Flexpack 2030“ kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Forschung und Markenunternehmen zusammen, um über aktuelle Entwicklungen, neue Technologien und strategische Perspektiven für flexible Verpackungen zu diskutieren.

Im Mittelpunkt vieler Beiträge stand die europäische Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR), die künftig maßgeblich beeinflussen wird, wie Verpackungen gestaltet, welche Materialien eingesetzt und welche Recyclinganforderungen erfüllt werden müssen. Parallel verschärfen sich Vorgaben aus der Lebensmittelkontaktgesetzgebung sowie Diskussionen um PFAS-Beschränkungen und CO₂-Berichtspflichten entlang der Lieferketten. Für Hersteller flexibler Verpackungen bedeutet diese Entwicklung einen wachsenden Transformationsdruck – zugleich eröffnet sie jedoch neue Innovationsräume.

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Innovationen für recyclingfähige Hochleistungsverpackungen

Technologische Lösungen für leistungsfähige und zugleich recyclingfähige Verpackungen standen daher im Zentrum zahlreicher Vorträge. Claire Gusko (one.five) zeigte beispielsweise, wie KI-gestütztes Reverse-Engineering Entwicklungsprozesse in der Materialforschung beschleunigen kann. Statt Materialien schrittweise zu testen, werden zunächst Zielparameter definiert, aus denen datenbasierte Modelle passende Materialeigenschaften ableiten. Dieser Ansatz kann Entwicklungszeiten deutlich verkürzen und hilft Unternehmen, schneller auf regulatorische Anforderungen und Marktbedürfnisse zu reagieren.

Auch neue Barrierekonzepte für flexible Verpackungen wurden vorgestellt. Prof. Rainer Dahlmann (IKV, RWTH Aachen) präsentierte plasmabasierte SiOx-Beschichtungen, die sowohl auf Neuware als auch auf Post-Consumer-Polypropylen aufgebracht werden können. Durch gezielt aufgebaute Multilayer-Strukturen lassen sich Sauerstoffbarrieren verbessern, ohne die Recyclingfähigkeit wesentlich zu beeinträchtigen.

Ergänzend stellte Prof. Achim Grefenstein (Constantia Flexibles) Entwicklungen im Bereich PE-basierter Monomaterial-Laminate vor. Durch reduzierte EVOH-Anteile und recyclinggerechtes Design lassen sich zunehmend Lösungen realisieren, die sowohl funktionale Anforderungen als auch RecyClass-Kriterien erfüllen. Solche Konzepte zeigen, dass Hochbarriereleistung und Recyclingfähigkeit nicht zwangsläufig im Widerspruch stehen.

Im Kontext der PPWR gewinnen darüber hinaus Monomaterialdesigns und höhere Rezyklatanteile deutlich an Bedeutung. Isabel Arroyo (Dow) stellte entsprechende Entwicklungen vor, etwa PE-basierte Strukturen mit Orientierungstechnologien wie MDO oder BOPE. Erste Anwendungen zeigen, dass auch höhere PCR-Anteile technisch realisierbar sind – vorausgesetzt, Materialdesign, Verarbeitung und Recyclingprozesse werden konsequent aufeinander abgestimmt.

Digitalisierung, Kreislaufwirtschaft und steigende Anforderungen

Neben technologischen Innovationen wurde auch die Rolle der Kreislaufwirtschaft intensiv diskutiert. Patrick Zimmermann (FKuR) betonte, dass Rezyklate und biobasierte Kunststoffe wichtige Bausteine einer nachhaltigen Kunststoffstrategie seien. Ihr Potenzial könne jedoch nur dann vollständig ausgeschöpft werden, wenn Sammel- und Sortiersysteme verbessert, Materialströme stabilisiert und Verpackungen konsequent recyclinggerecht gestaltet werden.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der zunehmenden Digitalisierung der Verpackungsentwicklung. Digitale Produktpässe und strukturierte Spezifikationsdaten gewinnen an Bedeutung, um Materialinformationen, Recyclingfähigkeit und regulatorische Anforderungen transparent zu dokumentieren. Daten werden damit zunehmend zu einem zentralen Instrument für Compliance und nachhaltiges Verpackungsdesign.

Gleichzeitig bringt die Digitalisierung neue Herausforderungen mit sich. Vernetzte Verpackungen mit QR-Codes, NFC-Technologie oder digitalen Informationssystemen eröffnen zusätzliche Möglichkeiten für Kommunikation und Rückverfolgbarkeit – erfordern jedoch auch stärkere Aufmerksamkeit für Cybersecurity und Datensicherheit.

Schlussfolgerungen

Das Inno-Meeting machte damit deutlich, dass die Flexpack-Industrie technologisch über ein breites Innovationsspektrum verfügt – von KI-gestützter Materialentwicklung über neue Barrierekonzepte bis hin zu datenbasierten Ansätzen für Compliance und Nachhaltigkeitsbewertungen. Gleichzeitig steigt der Zeitdruck durch regulatorische Vorgaben erheblich, da viele Anforderungen bereits in den kommenden Jahren umgesetzt werden müssen.

Die abschließende Publikumsbefragung unterstrich dennoch eine optimistische Grundstimmung: Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden gab an, bereits unmittelbar nach der Veranstaltung konkrete Veränderungen im eigenen Unternehmen anstoßen zu wollen. Damit bestätigt das Inno-Meeting einmal mehr seine Rolle als wichtige Plattform für Austausch, Orientierung und Impulse in einer Branche im Wandel.