Hochwertige Verpackungen

Erst die Veredelung macht den Unterschied

Eine hochveredelte Verpackung trägt heute mehr denn je zur erfolgreichen Markenbildung bei. Für die Jodl Verpackungen GmbH ist sie außerdem ein Instrument zur Kundenbindung von Markenartiklern.

von Dieter Finna

 

Jodl Verpackungen in Lenzing, Österreich

Für die unterschiedlichen Veredelungsmöglichkeiten bei flexiblen Verpackungen setzt das österreichische Unternehmen sowohl den Flexo- als auch den Tiefdruck ein. Beide Druckverfahren sind in der Lage, unterschiedlichste Matt- und Glanzeffekte zu erzielen. Doch erst mit Kenntnis der konkreten Bedingungen kann entschieden werden, welches der Druckverfahren eingesetzt wird und Kostenvorteile bietet.

Jodl Verpackungen mit Sitz im oberösterreichischen Lenzing sieht seinen anhaltenden Erfolg in der Entwicklung immer neuerer, hochveredelter Verpackungslösungen. Veredelungstrends werden sowohl im Druck von Automatenfolien als auch beim Bedrucken von Folien für die anschließende Beutelfertigung realisiert. Die strategische Ausrichtung des Unternehmens konzentriert sich auf hochwertige Nischenprodukte. Dazu gehören Block-, Kreuz, Seiten- und Flachbeutel sowie seit kurzem auch Standboden-, Dreirandsiegel- und Fünfnahtbeutel. Für die drucktechnische Umsetzung anspruchsvoller Design- und Produktanforderungen für flexible Verpackungen setzt Jodl den Tief- und Flexodruck ein.

Martin Schiemer, Leiter Flexo-/ Tiefdruck, hat mit JoFlex100 eine wirtschaftliche und qualitative Alternative zum Tiefdruck geschaffen. Das JoFlex100-System ermöglicht den HD Flexodruck und damit Rasterweiten bis 100 L/cm, Tonwertumfänge von 2,2–99%, die Kombination von Flächen und Rastern, auslaufende Rasterverläufe ohne Abrisskanten, homogene Volltonflächen und eine hohe Registergenauigkeit von Zentralzylinder-Flexodruckmaschinen.

Ebenso befasst sich Jodl Verpackungen mit dem Einsatz einer erweiterten Farbpalette von sieben Farben, die unter anderem den Vorteil der Darstellung eines vergrößerten Farbraums im Druck bietet. Jodl Verpackungen ist technisch modern ausgestattet und damit in der Lage, sehr edle Verpackungen farblich zu drucken, die zur Aufwertung des Produkts beitragen. Doch darüber hinaus stehen im Foliendruck weitere Veredelungsmöglichkeiten zur Verfügung, wie Effektfarben oder die bei flexiblen Verpackungen im Trend liegenden Glanz- und Mattlacke.

Herausforderungen: Erzielung des richtigen Matt-/Glanz Effekts

Matt-/Glanz-Effekte liegen im Trend und Jodl Verpackungen wird in der Praxis oft mit ihrer Umsetzung konfrontiert. Der Druckmaschinenpark ermöglicht es, diese sowohl im Tief- als auch Flexodruck zu realisieren. Die Tiefdruckmaschine mit Wendekreuz scheint für dieses Anwendungsgebiet vordergründig zunächst die bessere Lösung zu sein. Ein Wendekreuz bedeutet in der Anschaffung eine eher geringe Investition. Man kann je nach Konfiguration mit mehreren Werken die Substratbahn „reverse“ bedrucken. Dabei bleibt die Länge der Bahnwege in der Maschine unverändert – ein wichtiges Kriterium bezüglich Makulatur.

Für Kundenaufträge mit Matt-/Glanz-Effekt bedeutet dies, dass nach erfolgtem Motivdruck die Bahn über dem Wendekreuz gewendet wird und somit der Lackauftrag direkt in einem Arbeitsgang erfolgen kann. Da ist die Frage berechtigt: Ist der Tiefdruck vielleicht die bessere Wahl beim Reversdruck von Matt-/Glanz-Lacken?

Lackauftrag mit Insetting

Im Flexodruck kann ebenfalls mit einem zusätzlichen Lackierwerk in einem Arbeitsgang Lack aufgetragen werden. Doch die Verbreitung eines nachgeschalteten Lackierwerks auf Zentralzylinder-Flexodruckmaschinen ist gering und das aus gutem Grund: Man benötigt einen großen separaten Trockner, wodurch sich die Bahnwege in der Maschine verlängern. Und lange Bahnwege verursachen erhöhte Makulatur, die auch dann anfällt, wenn das Lackierwerk nicht benutzt wird. Darüber hinaus sind Platzbedarf und Investitionskosten relativ hoch. Falls das Lackierwerk nicht durch eine entsprechende Auftragsstruktur ausgelastet ist, wie z.B. durch Applizieren von Kaltsiegelkleber, lohnt sich eine solche Investition nicht.

Bei Jodl Verpackungen wird als Alternative zu einem Lackierwerk das sogenannte Insetting-Verfahren angewendet, bei der ein Auftrag registergenau in zwei Durchgängen gedruckt wird. Im ersten Druckdurchgang erfolgt der Konterdruck des mehrfarbigen Motivs und im zweiten Durchgang der Frontalauftrag mit einem im Register gesteuerten Lack. Das Druckwerk, in dem der Mattlack aufgetragen wird, ist mit einer Rasterwalze ausgerüstet, die bei einer Lineatur von 160 L/cm ein Schöpfvolumen von 13 cm3/m2 aufweist.

Die Investitionskosten für das Insetting sind gering. Sie beschränken sich auf die Abtasteinrichtung und die notwendigen Software-Anpassungen der Flexodruckmaschine. Ein mit einem Servomotor angetriebener Bahneinzug ist auf einer modernen Maschine meist schon vorhanden. Selbstverständlich bedingt der zweite Arbeitsgang eine doppelte Belegung der Druckmaschine, was die Zeiten für Rüsten und Produktion verlängern kann.

Aufgrund des zweiten Arbeitsgangs ist das Makulaturaufkommen nur schwer zu kalkulieren. Entsteht beispielweise ein ungeplant hoher Makulaturanteil, kann es sein, dass eine Teilmenge nachproduziert oder der Auftrag sogar neu gedruckt werden muss. In der Praxis hat sich bewährt, die komplette Maschine gerüstet zu lassen und unmittelbar nach dem ersten Arbeitsgang die Außenseite zu bedrucken. Ein eventueller Nachdruck stellt sich dann einfach und kostengünstiger dar.

Farbhaftung und Anforderungen an die Verbundhaftung

Aus der großen Vielfalt an flexiblen Verpackungen ergeben sich unterschiedliche qualitative Anforderungen an die Farb-, Lack- und Verbundhaftung. Um die Haftungseigenschaften zu gewährleisten, kann für das Insetting der Einsatz einer vom Hersteller beidseitig vorbehandelten Verpackungsfolie von Vorteil sein. Doch sind auch mögliche Nachteile zu beachten: Denn diese Folien neigen stark zum Verblocken. Auch ist hier ein Abklatsch wahrscheinlicher, was zur Folge hat, dass Verpackungsfolien für den Lebensmittelkontakt die gesetzlichen Vorgaben nicht erfüllen. Eine beidseitig vorbehandelte Folie ist zudem etwa 10% teurer als eine einseitig vorbehandelte.

Um diesen Problemen aus dem Weg zu gehen, kann mit der notwendigen Erfahrung auch eine einseitig vorbehandelte Folie eingesetzt werden. Die andere Seite der Folie wird mit einer leistungsstarken Korona in der Druckmaschine vorbehandelt. Das heißt, der Außenseite steht dann die werkseitig vorbehandelte Folienseite gegenüber. In Kombination mit dem richtigen Farbsystem reicht diese Möglichkeit in vielen Fällen für den Zwischenlagendruck aus.

Wahl des Farbsystems

Für die Auswahl des richtigen Lack-/Farbsystems steht das Ein- oder Zwei-Komponenten-System zur Verfügung. Das Ein-Komponenten-System ist leicht zu verarbeiten, mit konventionellen Flexoklischees verdruckbar und es fallen so gut wie keine Restfarben an. Außerdem ist es preiswerter als ein Zwei-Komponenten-System.

Bei dem Zwei-Komponenten-System verhält es sich genau umgekehrt. Doch ob die mechanische Beständigkeit eines Ein-Komponenten-Systems ausreichend ist, muss ein Test zeigen. Nach diesen Kriterien wird schließlich das Lack-/Farbsystem ausgewählt werden.

Kostenvergleich

Die internen Verfahrensvergleiche bei Jodl Verpackungen brachten Klarheit darüber, unter welchen Bedingungen der Tiefdruck oder der Flexodruck preiswerter ist. Ein Vergleich der anfallenden Kosten zeigte, dass bei einer Produktionsmenge von 10.000 Laufmetern und bei weniger als sechs Auftragswiederholungen der Flexodruck mit Insetting gegenüber der Inline-Fertigung im Tiefdruck mit Wendkreuz die günstigere Variante ist.Dem Tiefdruck bleiben somit die Aufträge mit großen Auflagenhöhen vorbehalten, er hat aber darüber hinaus noch eine weitere entscheidende Verfahrensstärke. Aufgrund seiner Möglichkeit, hohe Schicht­stärken zu übertragen – bei zahlreichen Anwendungen ist das eine Voraussetzung für die Erzielung des gewünschten Effektes – können auch diese Aufträge nur im Tiefdruck gefertigt werden.

Weitere Veredelungsmöglichkeiten

Um alle Veredelungsmöglichkeiten aufzuführen, sollte der Frontaldruckaufbau als Alternative zur Verbundvariante in Betracht gezogen werden (Wenden der Folienbahn oder Insetting). Hier ist es ebenfalls möglich, ein Rastermotiv hochwertig mit Glanz- oder Matteffekten zu veredeln. Diese Ausführung erfreut sich allerdings nur geringer Beliebtheit, da die Effekte nicht annähernd die gleiche Brillanz aufweisen wie das zuvor beschriebene Beispiel eines echten Matt-/Glanz-Effektes. Darüber hinaus ist der Schutz des Drucks durch das Substrat nicht gegeben (z.B. Siegelungen der Randzonen).

Der Einsatz einer mattierten Folie kann ebenfalls in Betracht gezogen werden, wobei der gewünschte Glanz-/Matt-Effekt nur ansatzweise erreicht wird. Eine weitere Möglichkeit ist das rapportgenaue Aufspenden eines Glanz-Etikettes in einem separaten Arbeitsgang, z.B. in der anschließenden Beutelherstellung. Dies ist jedoch meist nur bei sehr kleinen Losgrößen wirtschaftlich.

Fazit

Spezielle Lackeffekte liegen voll im Trend und veredelte Verpackungen haben Hochkonjunktur. Zur Erzielung eines ganz bestimmten Matt-/Glanz-Effektes sind zuvor eine Vielzahl von Überlegungen anzustellen und eine enge Zusammenarbeit mit dem Kunden notwendig. Musterproduktionen und Auslagerungstests sind darum für Jodl Verpackungen unabdingbar, um die „glänzenden“ Ergebnisse entsprechend dem geforderten Anforderungsprofil zu erreichen. Als Verfahren werden hierfür das Insetting im Flexodruck und der Tiefdruck mit Wendekreuz eingesetzt.